Kleine Perlen aus dem Nichts gecarved

Kleine Perlen aus dem Nichts gecarved

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Robin AM mit spektakulärem Debut

Es ist ein später Dienstagnachmittag, als Robin Meijerink und Hilko Meyer das footage-Office in der Lichtstraße betreten. Obwohl das Thermometer satte 37 Celsiusgrad anzeigt, machen beide einen aufgeräumten Eindruck. Ich biete kaltes Pils an, die beiden entscheiden sich für ein Wasser. 

Robin und ich kennen uns flüchtig. Mit Hilko habe ich eine Zeit lang den Arbeitgeber geteilt. Solange, bis sich der Arbeitgeber seinerseits zerteilt hat. So liefen die Dinge vor 15 Jahren. Heute ist vieles stabiler. 


Axel Post: Ihr habt schon immer zusammen Musik gemacht, richtig? 

Robin Meijerink: Ja, wir waren vor 15 Jahren schon Nebendarsteller in einer Band. Die hat sich damals aufgelöst. Es gab dann eine Reihe von Projekten die interessant waren aber alle irgendwann daran scheiterten, dass Leute weggezogen sind oder Beziehungen wichtiger waren. Irgendwann war ich dann so genervt, dass ich mich entschlossen habe, alleine weiter zu machen. Ich habe Gesangsunterricht genommen und mir Logic draufgepackt. Dann habe ich angefangen zu schrauben. 

Irgendwann tauchte Hilko wieder auf. Ich habe ihm die Sachen vorgespielt – und er fand sie super. Seitdem schreiben wir die Songs zusammen und machen Alles gemeinsam.

Hilko Meyer: Das Ganze geschieht natürlich in dem Bewusstsein, dass es ein Marathon ist. Man kann die Dinge zu Zweit bis zu einem gewissen Punkt treiben, und dann ist man auf Dritte angewiesen. In unserem Fall ist das zum Beispiel Philipp Janzen von Von Spar, der die meisten Nummern produziert hat. Wir wissen, das dauert. Aber das ist gut so. Ich würde mir Wünschen, dass wir das noch eine Zeit so machen.

Robin: Textlich ist das nicht anders. Manchmal dauert es ewig, bis eine Idee da ist, dann geht es aber oft ganz schnell. Zuletzt wollten wir einen Song machen, über Dinge, die man in bestimmten Altersstufen falsch machen kann. Mit der Essenz, dass es sich eigentlich in jedem Alter gleich schlecht anfühlt. Der Song war dann recht schnell fertig. Leider wurde der dann total „höhnerartig“ und wir haben ihn verworfen… 

Hilko: …ist aber in der Schublade…;-)

Axel: Hatte der Song denn dann einfach eine zu große Leichtigkeit für Euer Konzept? Ihr müsst wissen, ich bin ein Leichtigkeitsverfechter und habe selbst Eric Pfeil in seinem Todeszyklus Leichtigkeit unterstellt.

Robin: Leichtigkeit ist sehr schwierig. Ich kenne Eric gut. Er kann das natürlich textlich humoristisch umsetzen, ohne, dass das total „ärtztemäßig“ wird, aber ich kann das überhaupt nicht, und Hilko?

Hilko: Dort den richtigen Grat zu treffen, finde ich kolossal schwer und ich kenne auch wenige, bei denen ich es gelungen finde. 

Robin: Im Deustchen ist es total schwierig. Moritz Krämer zum Beispiel hat dieses Augenzwinkern. Das finde ich super. Aber es droht auch immer, in eine Niedlichkeit zu kippen. 


Axel: Ähnlich ist es mit Pathos. Man muss das, glaube ich, können. Der deutsche Mainstream-Pop kippt so grauenvoll ins Jämmerliche, dass er zur Vorlage für PEGIDA wurde. 

Robin: Oh, da muss man total aufpassen. Wir haben gerade darüber gesprochen. Mit einem Song wie „Manipuliert uns“ würde ich mich heute vielleicht schwertun, weil er eventuell eine Ihr-da-oben-wir-hier-unten-Lesart bekommen könnte. Das kommt zwar von Außen. Es verändert aber trotzdem den Song in seiner Wahrnehmung. 

Hilko: Ich glaube einfach, dass man da auch nicht zu streng sein darf. Man schreibt ja erstmal unschuldig. Man arbeitet mit Ideen und Worten. Das Abgleichen kommt ja eher später. Das ist bei uns ein langer Prozess. 

Robin: Wir nennen das Entpeinlichen.


Axel: Euer Video ist fantastisch. 

Robin: Welches?

Axel: Diese Stadt ist nur Kulisse. Hast Du das komplett selber umgesetzt?

Robin: Danke. Ja. Es sollte ein unbedingt ein Stadt-Video werden. Lange Zeit haben wir überlegt, wie wir das mit 3D-Modellen umsetzten können. Mit Cinema 4D hätte das aber wieder bedeutet, dass man mit Experten zusammen arbeiten muss. Ich bin dann irgendwann auf ein Kunstprojekt namens „GTA without textures“ gestoßen. Das hatte so einen schönen Murakami-Vibe. Dann hat Rockstar-Games bekannt gegeben, dass es innerhalb von GTA einen so genannten Director-Mode gibt. Dort kann man die Szenen sehr detailliert einstellen und im Nachgang die Kamera positionieren. 

Axel: Ihr seid beide berufstätig und Familienväter. Wenn jetzt der mediale Hype zuschlägt, wovon wir stark ausgehen, wie seid Ihr dann vorbereitet? Geht es dann auf Europatour?

Hilko: Nein. Es gibt eine Politik der kleinen Schritte. Wir machen alles selbst. Zunächst kümmern wir uns mit Bordmitteln um die Promotion. Um das Live-Thema drücken wir uns ein bisschen herum. Wir nehmen dann gern einfach neue Songs auf. Wir haben wahrscheinlich Material für zwei weitere Alben fertig. Das macht natürlich nur begrenzt Sinn. Wir wissen, dass wir das Ganze bald live umsetzten müssen. Es ist aber noch unklar, wie das genau passieren soll. 

Robin: Es geht bei solchen Projekten natürlich immer eine ganze Menge Zeit drauf. Aber das ist ja auch ein bisschen der Sinn der Sache. Das Songwriting ist im eigentlichen Sinne der Antrieb. Songs zu schreiben macht den meisten Spaß. Irgendwann sitzt man einfach wieder mit dem Rechner auf dem Sofa. So eine kleine Perle heraus zu „carven“ aus dem Nichts – das ist geil.

 

Robin AM im Netz

 

 

 

 

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1970 am linken Niederrein geboren, ist Axel Post Vater von zwei Töchtern. Er betreibt eine Kommunikationsagentur namens Yukawa in Köln und ist Fan von Wes Anderson, Noriaki Kasai und Borussia Mönchengladbach. Axel Post hat einige Jahre in der Schweiz verbracht, wo man ihn unter seinem Pseudonym Clemens Herbstmeister gleichermaßen liebt wie hasst. Axel Post ist seit 2006 mit einer der schlauesten Frauen der Welt verheiratet.

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