Nierenwerte und Schusswechsel

Nierenwerte und Schusswechsel

1574
0

Unser Sonderheft zur neuen Bundesliga-Saison besteht nur aus einer bockstarken Seite. Statt Mannschaftsfoto-Content gibt’s Geschichten zu Begriffen, die neu definiert werden müssen.

Medizincheck

Immer mehr gestandene Profis fallen durch Medizinchecks. Schusswechsel und Nierenwerte haben dabei den guten alten Muskelbündelriss abgelöst. Nun sollen die ärztlichen Untersuchungen  auch an den Stadiontoren für die Fans eingeführt werden. Anhänger, die an großer Fußballbegeisterung laborieren, müssen dann genauso draußen bleiben wie die Hunde auf den berühmten Schildern.
Willkommener Nebeneffekt: Durch die zunehmende Suburbanisierung der Liga mit Spielorten wie Leverkusen, Hoffenheim oder Ingolstadt, wird der Landärztemangel dort durch Sportmediziner behoben. Eine Win-Win-Situation für einige Beteiligte.

Identifikationsfigur

Identifikationsfiguren waren mal. In der Bundesliga ohnehin schon rar gesät sollen sie mit dem Ende der Legende Steven Gerrard, dem Weggang von Bastian Schweinsteiger und dem Ausscheiden von Iker Casillas beim gefühlten Bundesligisten Real Madrid endgültig von der Bildfläche verschwinden.
Als Ersatz plant der DFB oder die DFL den Bau eines Identifikationsfigurenkabinetts. Hier werden die alten Recken in Wachs gegossen oder in Stein gemeißelt. Ein beliebtes Ziel für Schulausflüge, auf denen die Pennäler dann Typen wie Seeler, Körbel oder eben Schweinsteiger mit ihren Buntstiften bekritzeln können. Selfies sind dort leider verboten.
Parallel möchte die DFL oder der DFB den Begriff der Identifikationsfirmen einführen und mit einer breit angelegten Kampagne publik machen. Unternehmen wie Bayer, VW oder Red Bull werden dabei echte Typen verkörpern. Das Projekt läuft solange, bis der erste Fan eine Träne verdrückt, wenn sich eine der Firmen aus dem bezahlten Fußball zurück zieht.

Profikarriere

Erinnert sich noch jemand an  Klaus Fichtel? Der Mann hat mit 43 Jahren noch Bundesliga gespielt. Heute verkünden Nationalspieler schon U30 ihr Karriereende, Männlein wie Weiblein. Für viele aus der Generation A-Z sind Fußballvereine nur noch Durchlauferhitzer. Kein Sprungbrett für eine internationale Karriere sondern für die Gründung eines Start-Ups, die ja früher noch Tabakwarenladen genannt wurden. Schon bald werden selbst beim FC Bayern die größten Talente nur noch ein sechsmonatiges Praktikum absolvieren, um sich danach auf die Entwicklung eines Online-Lieferdienstes für irgendwas zu konzentrieren.

Wer mag kann sich den Artikel ausdrucken, und daraus eine Stecktabelle basteln.

SHARE
Arne Jens war eigentlich schon immer Autor. Bereits mit sechs Jahren verfasste er erste Bundesliga-Tabellen, die er sich alle mühsam zusammen gewürfelt hatte. Texte im footage-Magazin pflastern seit 2004 seinen Weg. Die Krönung: Eines seiner Machwerke erschien auch im Geißbock-Echo. Und ein paar Kurzgeschichten schafften es immerhin in die Bücher von Sascha Theisen.

NO COMMENTS

LEAVE A REPLY