Frauen wie Männer

Frauen wie Männer

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Es ist nicht mehr als politisch korrekt und billig, den Damen mindestens das Engagement zuzusprechen. „Es ist nicht mehr so schlimm wie früher!“, „Da hat sich schon was getan!“ oder „Das kann man sich mittlerweile wirklich angucken, teilweise!“ – gängige und gern gesprochene Statements, die die Fußball WM der Damen in den letzten Wochen begleiteten. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen: „Du kochst fast so gut wie Mutti!“ – sagt man aber nicht, weil es ein Frauenbild bedient, das nun wirklich niemand mehr möchte, außer Söhne vielleicht, die gerne und gut bei Muttern speisen. Das aber ist ein anderes Thema.

Nun ist es also vorbei. Endlich? Nein – so weit sollte man nicht gehen, oder? Denn wie votet das Fußballvolk da draußen: „Das Ganze kann man sich mittlerweile wirklich angucken, teilweise!“ So viel Zeit muss schließlich sein, auch wenn in Zukunft Turbine Potsdam gegen FF USV Jena weiter ohne Öffentlichkeit auskommen muss.

Die deutschen Nationalmannschaft der Damen hat das WM-Halbfinale der Frauen verloren und steht nun nur noch vor dem Spiel um Platz 3. Sportlich nicht so schlecht, möchte man meinen, denn wer kann schon von sich selbst behaupten zu den vier Besten in seinem Metier zu gehören. Richtig! Maximal noch drei andere! Respekt also, Mädels! Wir sehen uns am Brandenburger Tor oder mindestens am Frankfurter Römer. Nein? Warum denn nicht? Ach – in München wird Douglas Costa vorgestellt. Douglas wer? Ach der!

Eine Sache aber noch, bevor es ins kleine Finale geht: Macht doch einfach mal Euer eigenes Ding, wenn schon alle zusehen. Denn mal ehrlich: Eine Doris, die sein will wie Oliver ist ein bisschen wie Yoda in der Enterprise.

Frauenfußball ist wie Pferderennen mit Eseln! Ein wenig charmanter Vergleich, der aus den Anfangszeiten des Frauenfußballs stammt und für zufriedene Bierbauchstreicheleinheiten in so manchem Fernsehsessel sorgen dürfte. Zu Zeiten einer Heidi Mohr mochte er noch gelten, aktuell höchstens noch bei den Damen aus Nigeria oder Thailand. Auch das Ausdruck einer Entwicklung, die man(n) nicht weg diskutieren kann. Nein – aus ihren technischen und taktischen Fähigkeiten kann man den Fußball-Damen schon lange keinen Strick mehr drehen. Wohl aber aus dem Schlüsselreiz-Reflex, dem männlichen Original nachzueifern. Denn zum Original wird immer das, was imitiert wird. Und genau das taten Silvia Neid, Doris Fittchen & Co aber in diesem kanadischen Sommer – wohl in dem Gedanken: Was gestern klappte, ist heute gut! Silvia wollte also sein wie Jogi – in jedem Interview, in jeder kanadischen Minute – gut in Szene gesetzt von den Momente-Experten des DFB. Was sie dabei ganz vergaßen: Wer will schon Frauen sehen, die sein wollen wie Männer? Egal – jetzt ist es eh vorbei.

Und so bleibt am Ende immerhin die Gewissheit: Es ist nicht mehr so schlimm wie früher!

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Sascha Theisen ist der Erfinder von TORWORT (www.torwort.de), der Lesereihe in der Kölner Hammond Bar für die Max Merkel einst getötet hätte und wo auf After-Show-Partys gerne Breakdance-Einlagen der 80er zum Besten gegeben werden. Er wurde wie so viele vor ihm, weit vor seiner Zeit geboren. Theisen wohnte schon in Nachbarschaft mit Maniche, Bruno Labbadia und Sidney Sam - aktuell Lars Bender. Wenn jemand diese Namen bei Google eingibt, verdient Theisen nichts daran. Deshalb macht er das selbst auch nicht. Seit seiner Kindheit weiß Theisen alles über Fußball, spielte selbst aber nur für schlafende Riesen wie Alemannia Straß, den TSV Stockheim 09 und Reaktor Winden, die er aber allesamt nicht aufwecken konnte. Bisher veröffentlichte Theisen im WERKSTATT Verlag die Bücher "Helden - 50 deutsche WM-Legenden", "Nach Vorne!", "Marmor, Stein und Eisen" sowie die Bolzplatz-Bibel "Auf Asche".

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