Streik or Disstreik 

Streik or Disstreik 

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Es muss so Mitte der 70er Jahre gewesen sein, da hat mein Magen zum ersten Mal gestreikt. Womöglich auch früher. Das wird bei der aktuellen Diskussion schnell vergessen und manchmal sogar außer Acht gelassen.

Gestreikt wurde in Deutschland schon immer. Körperteile waren daran oft beteiligt, aber wenn man Streik als Arbeitsniederlegung versteht, dann passierte es auch tagtäglich in den verschiedensten Branchen einfach nach Feierabend. Es gibt sogar Arbeitsniederlegungen während der Arbeit – und zwar ohne Konsequenzen, der Hamburger SV kann davon vielleicht ein Lied singen.

Streik steht ja bei uns sowohl für Arbeitsniederlegung als auch für Arbeitskampf. Das klingt nach einem fleißigen Faultier oder irgendeinem anderen Paradoxon. Aber wenn sich die Sprache schon schwer tut, wie soll dann den Menschen der Streik leicht fallen. Den Betroffenen ja sowieso nicht, dazu sind wir vielleicht auch zu gerne betroffen – aber auch den Streikenden scheint das Ganze keinen großen Spaß zu machen. Eigentlich ist es bei uns eher ein Arbeitskrampf als ein Arbeitskampf. Auch der Godfather of GDL Claus Weselsky überzeugt ja eher durch Sturheit und weniger durch Charme.

Andere Länder sind da weiter. Während Strikes in Amerika bei Baseball und Bowling bejubelt werden, zeichnen sich Streiks vor allem in Frankreich durch große Gelassenheit oder auch durch eine volksfestähnliche Stimmung aus. Da gibt es dann große Demonstrationen, auf denen Künstler auftreten und man manchmal auch als Unbeteiligter ein bisschen verweilt. Bei uns kommt es vielleicht zu einer so genannten Protestkundgebung – und das Wort sagt schon alles über die Stimmung dort aus.

Streik hierzulande ist eben so humorlos wie der typische deutsche Zollbeamter, an den Claus Weselsky trotz aller Chuck Norris-Vergleiche auch ein wenig erinnert. Trotzdem – wenn es dem „Herr der Dampfrösser“ (taz) im x-ten Streikversuch doch noch gelingen sollte etwas Leichtigkeit in die ganze Sache zu bringen, will ich ihm gern die Hand drücken – so als wäre sie ein richtig dicker „Gefällt mir“-Button.

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Arne Jens war eigentlich schon immer Autor. Bereits mit sechs Jahren verfasste er erste Bundesliga-Tabellen, die er sich alle mühsam zusammen gewürfelt hatte. Texte im footage-Magazin pflastern seit 2004 seinen Weg. Die Krönung: Eines seiner Machwerke erschien auch im Geißbock-Echo. Und ein paar Kurzgeschichten schafften es immerhin in die Bücher von Sascha Theisen.

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