Du bist Doping

Du bist Doping

1352
0

Es wird immer offensichtlicher: Nicht nur im Sport wird mit unsauberen Mitteln gearbeitet, sondern auch in privaten Umfeldern. Arbeit, Liebe, Sex – die ganze Palette eben. Jetzt liegt eine neue Dopingbeichte vor, die uns auf dem Radweg zugespielt worden ist. Der Geständige heißt Franz und ist Franzose. Sein Nachname ist möglicherweise auch schon unter der Zuhilfenahme verbotener Mittel zustande gekommen oder verändert worden, deswegen verraten wir hier keine Einzelheiten. En detail schildert der Schuldige aber in einem persönlichen Gespräch seine Erfahrungen.

„Ich schluckte das Zeug zum ersten Mal auf einer Party, die ohne Prolog auskam. Die Substanzen nahm ich wie alle anderen in flüssiger Form zu mir. Das wurde aber nicht groß thematisiert. Die Wirkung stellte sich in Etappen ein. Meine Zunge lockerte sich, meine Beine spürte ich immer weniger, mein Herz schlug immer schneller. So sah es wohl im auch Hauptfeld aus, mit Ausnahme von ein paar Wassertrinkern vielleicht.

Ich wartete dann geduldig auf meine Chance, die Uhr lief natürlich unaufhörlich  – allerdings weder für noch gegen mich.  Dann setzte ich zu einem unwiderstehlichen Antritt an und attackierte. Nur eine Massenankunft hätte meinen Soloritt jetzt noch verhindern können. Doch ich spürte niemanden in meinem Windschatten und die fünf Meter waren wie geschaffen für einen Ausreißer. Die Menge in meinem Kopf jubelte mir zu und ich saß auf einmal neben ihr. Ich sprach sie an und sie antwortete. Das war bestimmt die höchste Bergwertung aller Zeiten. Meine Stimme hörte sich frisch geölt an, alles lief wie geschmiert. Was spielte es jetzt noch für eine Rolle, was ich vorher eingeworfen hatte. Genau die gleiche Stallorder hätte ich mir in einer ähnlichen Situation wieder gegeben. Wenn man auf die Tour ans Ziel kommt, muss man sie so zu Ende bringen.

Ich habe sie dann am nächsten Tag wieder getroffen. Ich hatte die gleichen Mittel eingenommen. Sie reagierte aber zurückhaltend und ließ abreißen. Keine Ahnung, vielleicht hatte sie einfach Ruhetag.“

Foto: Rob Sinclair

SHARE
Arne Jens war eigentlich schon immer Autor. Bereits mit sechs Jahren verfasste er erste Bundesliga-Tabellen, die er sich alle mühsam zusammen gewürfelt hatte. Texte im footage-Magazin pflastern seit 2004 seinen Weg. Die Krönung: Eines seiner Machwerke erschien auch im Geißbock-Echo. Und ein paar Kurzgeschichten schafften es immerhin in die Bücher von Sascha Theisen.

NO COMMENTS

LEAVE A REPLY