„Der Mainstream saugt das Geile ab“ – Ein Interview mit Gereon Klug

„Der Mainstream saugt das Geile ab“ – Ein Interview mit Gereon Klug

1760
0

Tourmanager von Rocko Schamoni und Studio Braun, Erfinder von „Leider geil“, preisgekrönter Werber aber vor allem Plattenhändler und bester Newsletter-Literat – das ist noch nicht alles, aber das alles ist Gereon Klug. Als Gründer des Hamburger Plattenladens Hanseplatte haut er unter dem Namen Hans E.Platte E-Mails an mittlerweile 30000 Abonnenten raus, um dem Leser Musik schmackhaft zu machen. Einige dieser E-Mails sind in einem Buch verewigt worden. Die Texte strotzen vor guten Einfällen und Sprachwitz, man sollte sie kaufen oder sich zumindest eine Lesung des Autors ansehen. Das Werk heißt „Low Fidelity. Hans E. Plattes Briefe gegen den Mainstream.“ Und zum Mainstream und anderen Kleinigkeiten haben wir Gereon Klug befragt.

foo: Deine Newsletter sind ja Briefe gegen den Mainstream. Wer ist denn das überhaupt?

Gereon: Briefe gegen den Mainstream meint Briefe, die ohne die üblichen Effizienz-Zwänge oder handelsüblichen Feigheiten im Marketing auskommen. Der Mainstream ist mächtig und wichtig, interessanter sind aber natürlich die Nebenflüsse: Wo es hakt, wo nicht alles rund läuft, wo es schwierig wird und kompromisslos geschraubt wird. Das gilt für die Musik ebenso wie für andere Gebiete.

foo: Muss man sich den Mainstream eigentlich ab und zu ansehen oder anhören, um zu wissen, wie der funktioniert?

Gereon: Ja, unbedingt. Das ist ja lehrreich. Denn der passt sich im Überlebenskampf natürlich ständig an, saugt den anderen Streams das Geile ab, imitiert, kauft sich ein und bringt hochgerüstet viele zarte Pflänzchen zu Hochblüte. Nicht unbedingt zur ästhetischen, aber zur kommerziellen.

foo: Man soll ja nicht immer nur gegen was sein, sondern auch mal für etwas. Für was sind denn deine Newsletter? Außer natürlich für die Künstler, die dort vorkommen.

Gereon: Na, für Humor und für die Seele, bilde ich mir ein. Wenn beides noch nicht zu sehr vernarbt ist.

foo: Gibt es eigentlich Newsletter, die du liest und die nicht von dir sind?

Gereon: Klar. Sehr gut Booty Carell von GrooveCity, der immer wieder sehr erhellend und lustig über Musik schreibt. Und Kollege Maurice Summen von Staatsakt – auch so ein freier Spinner, der jeden Tag leuchten machen kann, wenn seine Letter kommen. Noch ein Tip: Mal den Newsletter der bescheuerten Formation THE DISCO BOYS bestellen. Da wird endlos über den Niedergang der Clubkultur lamentiert, ausgerechnet von absolut kulturfremden Typen, das ist echt irre.

foo: Was erwartet den Besucher auf deinen Lesungen, außer dass du da liest?

Gereon: Viele Ankedötchens und Gequatsche drumrum. Ich verrate grundsätzlich alle intimen Geheimnisse bekannter Hamburger Musiker. Und ich lese nicht nur Newsletter, sondern auch hohe Literatur, die tief fällt. Die Leute werden unter- und überfordert im steten Wechsel.

foo: Und Fußball? Was ist eigentlich mit Fußball bei dir? 

Gereon: Ich habe bis vor wenigen Jahren – ich schwöre – jede Nacht von Fußball geträumt. Ich bin extremer Experte. Was willst du wissen?

foo: Und Midlife-Crisis? Schon eine gehabt oder einfach ausgelassen?

Gereon: So was rauch ich nicht, Du bist wohl verrückt!!

foo: Vielen Dank für das Gespräch.

Hier sind die aktuellen Tourdaten von Gereon Klug!

SHARE
Arne Jens war eigentlich schon immer Autor. Bereits mit sechs Jahren verfasste er erste Bundesliga-Tabellen, die er sich alle mühsam zusammen gewürfelt hatte. Texte im footage-Magazin pflastern seit 2004 seinen Weg. Die Krönung: Eines seiner Machwerke erschien auch im Geißbock-Echo. Und ein paar Kurzgeschichten schafften es immerhin in die Bücher von Sascha Theisen.

NO COMMENTS

LEAVE A REPLY