Ottos Taktik und die One-Hit-Wonder

Ottos Taktik und die One-Hit-Wonder

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Wenn man über Fußball und Pop schreibt, ist es gar nicht so leicht, ein paar warme Worte für die Griechen zu finden. Ich möchte aber. Nicht nur aus Protest gegen die Holzhacker des Boulevards, sondern vor allem auch wegen der Erinnerungen an entschleunigte Fährüberfahrten auf schöne Inseln und an die herzensguten Gastgeber dort.

Damals konnte man am Horizont der Ägäis keine Krise erkennen. Wahrscheinlich begann die ganze Misere Jahre später und ein deutscher Fußballehrer war Schuld. Otto Rehhagel wurde mit den Griechen Europameister und dann auch noch von einem deutschen Provinzblatt zu „Rehakles“ ernannt. Rehhagel brachte den Griechen bei, wie man Fußballspiele auf die unappetitliche Art gewinnt. Und dann hat seine kontrollierte Offensive wohl ein ganzes Land gelähmt. Denn im Rausch des Erfolges hielten die Methoden Rehhagels Einzug in den griechischen Alltag. Es wurde gemauert, auf Zeit gespielt und auf Standardsituationen spekuliert. Man braucht kein Pythagoras zu sein, um sich auszurechnen, wie sich so etwas auf eine Volkswirtschaft auswirkt. Zu erhöhter Produktivität führt die Taktik jedenfalls nicht. Vielleicht lag es auch an Rehhagel, dass griechische Fußballer wie Theofanis Gekas oder Angelos Charisteas sich nicht nur durch Talent sondern oft auch durch ein gewisses Phlegma auszeichneten.

Auch die griechische Popkultur hat nie die ganz großen Bäume ausgerissen – und das sogar schon vor Rehhagels Zeit. Unsereins ist sie vor allem durch ein paar Schlagerbarden bekannt, von denen aber immerhin immer ein Lied in Erinnerung gebelieben ist. Das ist mehr als bei den meisten anderen Sängern dieses Genres.

Costa Cordalis setzte sich sein Denkmal, indem er nach Mexiko reiste, um dort eine gewisse Anita kennen zu lernen, mit ihr auf ein Pferd zu steigen und sie dann zu besingen. Dazu gehört Mut, nach allem, was man über Mexiko weiß. Vielleicht ist es aber auch ein Leichtes, wenn man wie der Türsteher eines Sonnenstudios aussieht. Stärke zeigte auch Vicky Leandros, als sie bekannte, das Leben zu lieben. Trotz Trennung von einem Partner immerhin – aber das haben wohl auch schon andere vor ihr geschafft. Nana Mouskouri schaffte es ganz anders, nämlich in ein Lied des großen Funny van Dannen. Das ist etwas, was ihr niemand mehr nehmen kann. Auch nicht, dass ihr kleiner Hit „Guten Morgen Sonnenschein“ sich als veritables Mittel beim Wecken kleiner Kinder bewährt hat.

Doch die griechische Fahne so richtig hoch halten, kann nur ein echter Held. Und das ist einer, den es leider gar nicht gibt, weil er nur ausgedacht ist. Man würde sich wünschen dass er Wirklichkeit wird und alle Griechenland-Hasser in Grund und Boden tanzt, bis sie umfallen und nicht mehr aufstehen. Alexis Sorbas hieß er, der Sirtaki war sein Tanz und der wurde auch immer gespielt, wenn man mit sich mit der Fähre auf den Weg zu den schönen Inseln mit den herzensguten Gastgebern machte.

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Arne Jens war eigentlich schon immer Autor. Bereits mit sechs Jahren verfasste er erste Bundesliga-Tabellen, die er sich alle mühsam zusammen gewürfelt hatte. Texte im footage-Magazin pflastern seit 2004 seinen Weg. Die Krönung: Eines seiner Machwerke erschien auch im Geißbock-Echo. Und ein paar Kurzgeschichten schafften es immerhin in die Bücher von Sascha Theisen.

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