Jaja, meine Mudder – die HSV-Kolumne von Aki Formeseyn

Jaja, meine Mudder – die HSV-Kolumne von Aki Formeseyn

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Wir Fußballfans fallen ja besonders dadurch auf, dass wir noch während der Bescherung am Heiligabend im Internet forschen, ob wir nun diesen mazedonischen Wunderstürmer von Pobeda Prilep verpflichtet haben oder am Samstagmorgen auf dem Weg zum Heimspiel dem just vom Brötchenholen kommenden Nachbarn mit der Büchse Bier zuprosten. Was uns aber besonders auszeichnet: Wir singen oft und gerne! Keine Lebenslage, in der wir nicht ein Fußballliedchen auf den Lippen hätten.

Da wundert es kaum, dass selbst an Silvester, wenn die Familie Formeseyn traditionell mit den Kindern durch die Nachbarschaft „Rummelpott“ läuft, um das Jahr gebührend zu verabschieden, Neujahrslieder zu singen und dafür Süßigkeiten (Inga und die Kids) und Schnäpse (ich) zu empfangen, so manches Fußballlied zum Repertoire gehört. Zumindest bei mir. Seit ich weiß, dass unser Nachbar Schalke-Fan ist, wird er am 31.Dezember – Jahr um Jahr – mit dem guten alten Westkurven-Hit „Wenn du mal auf Klo musst und hast kein Papier, dann nimm doch die Fahne von Schalke 04“ bedacht.
Womit wir bei meiner Mutter wären. Die ist zwar allein mir zuliebe seit Jahr und Tag HSV-affin, derart schmutzige Fußballsongs allerdings nähme sie niemals in den Mund. Sie singt mit Luis und Marlene lieber Wanderlieder, statt sich auf mein unflätiges Fußballfan-Niveau herabzulassen.

Als wir neulich bei besagter Oma Christa an der Kaffeetafel saßen, war die Überraschung entsprechend groß, als Luis von unserer Silvestersause erzählte. Er versuchte – offenbar immer noch schwer beeindruckt von Vaters silvesterlicher Sangeskunst – seiner Oma oben besagten Fan-Chant stimmgewaltig vorzutragen, geriet allerdings nach dem Intro „Wenn du mal auf Klo musst und hast kein Papier…“ ins Stocken, während ich – ehrfürchtig, ob der bekannten Strenge meiner Mutter – mich unauffällig zu verpieseln versuchte. Ich machte mich schon auf eine Standpauke gefasst, da platzte es aus Großmutter formvollendet in C-Dur heraus: „…DANN NIMM DOCH DIE FAHNE VON SCHALKE 04!“ Und sie umarmte Luis, guckte ernst zu mir rüber und fragte: „So ging das doch, oder?“

Wie sangen die fabulösen Fünf Sterne Deluxe einst, zumindest so ungefähr: Jaja, meine Mudder… Immer für eine Überraschung gut. Wie wäre es denn, wenn heute du uns mit einem Sieg gegen Schalke ähnlich überraschen tätest, du – trotz allem – immer noch (und nu alle ebenso in C-Dur!) „wun-der-schöner HOA-ESS-VAU!?“

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