Zehntage

Zehntage

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Wir haben uns mit dem Leben arrangiert. Vieles ist nicht perfekt. Vieles nicht zu ändern. Wir neigen aber auch dazu, gelernte Vorgaben zu akzeptieren. Dabei sollte man manchmal auch das ganz Grundsätzliche hinterfragen. 

Ich jogge seit ein paar Monaten. Erst wenig, jetzt öfter. Für mich wäre ideal, wenn ich jeden zweiten Tag joggen würde. Geht aber kaum. Und das liegt daran, dass ich zum Beispiel jeden Mittwoch Tennis spiele und lieber an Tennistagen nicht laufen würde. Mein Plan war daher in geraden Wochen mittwochs, und in ungeraden donnerstags zu spielen. Die Leute von der Tennishalle haben dann aber gesagt, dass sie dieses Modell in Ihrer IT nicht abbilden könnten.

Jetzt habe ich gedacht,vielleicht entzerrt man das Ganze und überlegt sich ein paar neue Tage und schiebt die so zwischen die Alten, dass die Woche nachher zehntägig ist. Das hätte bei näherer Betrachtung ein paar Vorteile. 

tendays

Vielleicht rechnen die Jungs von Price-Waterhouse-Whatever das mal kurz aus. Ich glaube eine gerade Woche spart volkswirtschaftlich 36 Mrd. € im Quartal, weil alles etwas gerader wäre. Im Gesundheitssystem, in der Bildung und im Arbeitsleben. Ausserdem wäre das durch die Umstellung der IT und der Kalender weltweit ein gigantischer Konjunkturmotor.

Ich möchte aber keinen Cent daran verdienen. Das wäre dann eben einfach mein Beitrag. Um auch mal was zurück zu geben. Vielleicht spricht man dann mal als kleines Dankeschön vom Post-Gregorianischen Kalender. Dagegen sähe Peter Hartz dann ziemlich blass aus. Das würde mir schon reichen.

Ich könnte dann die Leute beraten, was sie so am Quitwoch und Drittwoch anfangen könnten. Am Kompensiertag dürfte dann jeder machen was er will, also Angler angeln, Nudisten ablegen und Gebrauchtwagenhändler könnten Gebrauchtwagen an die Leute verkaufen, die gerade nicht angeln. Vielleicht könnte Lanz mal 24 Stunden durchmoderieren und den Rest der Woche wäre Ruhe.

Es gäbe dann übrigens 36 Wochen und 5 zusätzlich wochenlose Tage. Für diese Tage erhält jeder ein großzügiges Steuergeschenk. Das wäre kein Problem für den Staat, weil der ja sehr viel spart. An diesen Tagen hätten alle Menschen Freizeit – die Restaurants hätten Raclette-Flatrates mit exzellentem Vacherin.

In einer solchen Welt wären wahrscheinlich nicht einmal die Sääbe ausgestorben.

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1970 am linken Niederrein geboren, ist Axel Post Vater von zwei Töchtern. Er betreibt eine Kommunikationsagentur namens Yukawa in Köln und ist Fan von Wes Anderson, Noriaki Kasai und Borussia Mönchengladbach. Axel Post hat einige Jahre in der Schweiz verbracht, wo man ihn unter seinem Pseudonym Clemens Herbstmeister gleichermaßen liebt wie hasst. Axel Post ist seit 2006 mit einer der schlauesten Frauen der Welt verheiratet.

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