„Noch nie so bissig wie jetzt“ – Fehlfarben im Interview

„Noch nie so bissig wie jetzt“ – Fehlfarben im Interview

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Vor über 30 Jahren haben die Fehlfarben mit „Monarchie und Alltag“ die Messlatte für gute deutsche Musik ganz weit nach oben gelegt. „Über … Menschen“ heißt ihr neues Album. Es gibt dazu eine Tour und bestimmt ein paar Interviews. Eins davon bei footage. Wir fragten sie nach der richtigen Musik für Kinder, sie belehrten uns in Sachen Altersmilde.

foo: Euer neues Album. Seid ihr eigentlich vollkommen zufrieden damit? Oder muss so ein Ding einfach irgendwann raus, weil ihr keine Lust mehr habt, dran rum zu werkeln?

Fehlfarben: Bei den letzten beiden Alben hatten wir keine Wahl, da mussten wir alles live einspielen, das war das Konzept. Aber diesmal wollten wir uns Zeit nehmen und jedes Stück zu Ende produzieren, solange bis alles stimmt. Das ist natürlich auch nur eine konzeptuelle Idee, denn die Realität ist, dass man es irgendwann für fertig erklären und loslassen muss, auch wenn es schwerfällt.

foo: Das Album heißt „Über … Menschen“. Da kann man ja viel hinein interpretieren. Oder sollte man das lieber lassen?

Fehlfarben: Der Titel kann zweideutig gelesen und verstanden werden, und das ist auch gut so – und wenn man dann die Rückseite sieht, ist man ganz verwirrt, haha, gut nicht?

TR_323_FEHLFARBEN_UeberMenschen_rgbfoo: Das Spektrum der Songs reicht ja von kleinen, melodiösen Nummern wie „Der Mann, den keiner kennt“ bis zu sehr sperrigen Titeln wie „Schmerz Mut Genuss Wut“. Gibt es bei euch manchmal Streit, in welche Richtung der Sound gehen soll?

Fehlfarben: Es gibt nur eine Hand von Gruppen auf die sich alle in der Band einigen könnten, insofern ist auch der Sound immer wieder eine Auseinandersetzung – der Eine will mehr Gitarren, der Andere mehr Synthies – da haben wir dann entschlossen, dass wir es nicht alleine produzieren können, sondern haben Timo Blunck als Außenstehenden gebeten, das Album für uns zu mischen.

foo: Kann es sein, dass eure Songs früher etwas wütender waren – gibt es so etwas wie eine Altersmilde bei euch?

Fehlfarben: Ähhh? Nö. Das Alter ist nur dann zu spüren, wenn man nach den Konzerten nicht mehr endlos feiern kann, ansonsten bleiben wir wie eh und je. Und Milde? Da solltest Du mal Peter auf der Bühne erleben, der war noch nie so bissig, wie jetzt.

foo: Haben die Fehlfarben-Mitglieder eigentlich Kinder, und wenn ja was dürfen die für Musik hören?

Fehlfarben: Es gibt aktuell 3 Kinder der Bandmitglieder. Die dürfen vor allem „Alte Pizza“ von Der Plan hören, das ist subversiv und kinderfreundlich zugleich. Pyrolators Tochter sang ausgerechnet wochenlang ein Stück, welches es nicht aufs Album geschafft hat, tragisch so was…

foo: Wenn ihr auf Tour seid. Ist da eine Station wie die andere? Oder gibt es Orte an denen ihr besonders gerne spielt oder welche, in denen ihr nur widerwillig auftretet?

Fehlfarben: Wir spielen am liebsten in Orten, wo wir noch nie waren, ansonsten aber überall gerne. Unsere Tour begonnen haben wir in Münster im Gleis 22, wo wir immer gerne sind. Auch lieber in Clubs als auf großen Bühnen, da steht man näher zusammen, hört sich besser und hat auch einen direkten Kontakt zum Publikum. Wir sind generell sehr gerne auf Tour, das ist immer der Höhepunkt einer Album-Produktion. Da kann man dann zum ersten Mal erleben, wie die neuen Stücke ankommen.

foo: Was war denn euer unbestrittenes Konzert-Highlight in all den Jahren?

Fehlfarben: Da können wir uns auf ein Konzert einigen: Wire im Ratinger Hof, was zumindest vier von uns gesehen haben und für uns alle gleichermaßen inspirierend wie spannend war.

foo: Vielen Dank für das Gespräch.

>>> Mehr Infos und Tourdaten

Und etwas, um die Ohren frei zu pusten:

Fotos: Roland Bertram, Tapete Records

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Arne Jens war eigentlich schon immer Autor. Bereits mit sechs Jahren verfasste er erste Bundesliga-Tabellen, die er sich alle mühsam zusammen gewürfelt hatte. Texte im footage-Magazin pflastern seit 2004 seinen Weg. Die Krönung: Eines seiner Machwerke erschien auch im Geißbock-Echo. Und ein paar Kurzgeschichten schafften es immerhin in die Bücher von Sascha Theisen.

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